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Gegen den Strom schwimmen - und so anderen voraus sein

  • 7. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Es kneift im Business so richtig – „die Masse“ reagiert dann meist automatisch mit Standard-Sicherungsmaßnahmen. Aber wäre es nicht geschickter und weitsichtiger, antizyklisch zu handeln? Dafür gibt es triftige Gründe.



Absage von Messeauftritten, Einstellungsstopp, Aufschub spezieller Projekte und drängender IT- bzw. Digitalisierungsmaßahmen, Reduzierung oder gar Canceln von Weiterbildungsmaßnahmen – vieles scheint alternativlos auf der Hand zu liegen und mag einer akuten Bedrohungs- und Finanzlage geschuldet sein. So weit, so gut. Aber ist es wirklich gut, seinen Strategien (sofern belastbare überhaupt definiert sind) eine rote Ampel vorzuschalten?


Von oben nach unten verpufft‘s

Wir wissen doch: Krisen treten zyklisch auf. Darauf sollte man – im Rahmen eines vernünftigen Risikomanagements – vorbereitet sein. Hektik bringt bekanntlich keine erhellenden neuen Ideen hervor. Denn dann dringen rigorose (meist intransparent kommunizierte) Aktionen bzw. Maßgaben der Unternehmensspitze wie tröpfelndes Gift bis zur Basis hinunter. Dort kommt nach dem „Stille-Post-System“ in der Regel nicht mehr das an, was oben „hineingekippt“ wurde. So manche Begründung und Argumentation ist dann entlang der Hierarchie-Kaskade schlichtweg verpufft. Das kann zu Verunsicherung, Ängsten und einer Schockstarre in Abteilungen und beim Einzelnen führen, was lange gärt und verständlicherweise negative Auswirkungen auch auf die Kundenebene haben dürfte. Wer sich im beruflichen Umfeld unbehaglich fühlt, ist geneigt, sich auch dort darüber auszulassen, wo man besser den Mund gehalten hätte. Um das Kommunikationsthema soll es hier aber ausnahmsweise einmal nicht im Kern gehen.


(Ruh)e bewahren

Ich unterstelle, dass jeder Entscheider sich sehr wohl überlegt, was und in welcher Form auf den Prüfstand gehört, wenn es im Business so richtig kneift. Meist sind Beschlüsse wie Kürzungen oder Aufschübe der jeweiligen Ist-Situation geschuldet – der Weitblick rückt angesichts des verspürten Handlungsdrucks in den Hintergrund. Man beobachtet stattdessen, dass und ob „Masse“ bzw. auch Wettbewerb zeitgleich reagieren (nämlich ähnlich). Das mag zunächst beruhigen. Ruhe ist in der Tat das Stichwort – aber es gilt über Alternativen nachzudenken, die über die momentane Krise hinaus Wirkung zeigen. Aus Nachteilen müssen möglichst frühzeitig Vorteile generiert werden. Und zwar früher als der Wettbewerb.


Antizyklisch denken und handeln

Dass es klüger (weil preisgünstiger) ist, Urlaub frühzeitig zu buchen, und unklug, in Stoßzeiten einkaufen zu müssen, hat jeder Privatmensch mehrfach erfahren. Warum ist dann aber im Business, hier soll es um gewerbsmäßigen Einkauf gehen, diese Erkenntnis nicht immer oberste Prämisse? Weil es nicht das eigene Geld ist, das man ausgibt? Es ist alles andere als vorausschauend, knappe Güter erst dann zu ordern, wenn auch es auch andere Einkäufer tun (müssen). Oder plötzlich anziehende Preise akzeptieren zu müssen, wo ein zuvor ohne Zeitdruck ausgehandelter moderater Floater beruhigt hätte. Beispiele gibt es entlang der anfälligen Lieferketten genügend.


Krisen haben erfahrungsgemäß ein Ende - irgendwann. Es ist darum keine sinnhafte „Strategie“, Ampeln länger auf Rot zu schalten, um dann, wenn es besser geht, (im übertragenen Sinn) die Maschinen erst mühsam wieder hochzufahren. Der antizyklisch Handelnde ist da längst davongerauscht. Es gilt Muster zu durchbrechen, Schwankungen auszugleichen – und das Ganze bewusst als Konzept zu begreifen.


Beispiele:


  • Diversifizierung? Ja! Hilft, Standortnachteile auch in Wellen auszugleichen; dazu gehört ein vernünftiges Risikomanagement mit Wort-Case-Szenarien und alternativen „Plan B-Strategien“, die sich auf Knopfdruck aktivieren lassen; möglichst nicht erst in Krisen damit beginnen

  • Messebesuche: Wer trotz Krise Messen wahrnimmt oder sich trotz geringerer allgemeiner Beteiligung als Aussteller positioniert, zeigt Flagge und bleibt gut sichtbar für (potenzielle) Geschäftspartner;

    weniger Aussteller = weniger paralleler Wettbewerb und mehr Zeit für Gespräche (wenn die Mannschaft entsprechend geschult ist wohlgemerkt)

  • Einstellungsstopp? Keine gute Idee! Wenn Projekte brachliegen, gehen geeignete Kandidaten woanders hin ... Angebote gibt es bekanntlich für Einkäufer viele; später läuft man sonst wieder auf dem Fachkräftemarkt hinterher

  • Stopp von Weiterbildungsmaßnahmen? No way! Speziell der Einkauf ist gerade in Krisenzeiten gefragt (Verweis z.B. auf die Corona-Zeit);

    je weniger der Einkauf geschult wird, desto mehr freut sich der (geschulte) Vertriebler der Gegenseite;

    und wer kann schon von sich behaupten, ausreichend geschult zu sein? Weiterbildung bzw. Qualifizierung ist und bleibt ein weites Feld mit spannenden Perspektiven ...



Fazit: Antizyklisches Handeln bedarf eines guten Timings und ja, auch Mut, gegen den Strom bzw. Trend zu schwimmen. Wer dabei geschickt vorzugehen versteht, ist auf Sicht schneller als Wettbewerber und hat meist auch bessere Karten bei Lieferanten und Kunden. Und nicht zu vergessen: Aus Fehlern (auch anderer) zu lernen, gehört ebenfalls dazu.




Sabine Ursel, 7. April 2026, www.sabine-ursel.de


Foto: (Unsplash)







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