Trends für 2026? Gibt es viele, aber ohne Trainings ist alles nichts!
- Sabine Ursel

- 16. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2025
Zum Jahresende ist traditionell von den Trends für 2026 (und darüber hinaus) zu lesen. Das gilt auch für die „Branche“ der Einkäufer. Ich rate Geschäftsführern, CFOs und auch HR-Managern aufmerksam zu verfolgen, was sich im Einkauf tut bzw. anbahnt und darum auch in der Umsetzung bitter notwendig wäre, um das gesamte Unternehmen krisensicherer zu machen. Und zwar gerade jetzt, wo sich rote Zahlen häufen. Motto: Mut zum antizyklischen Handeln!
Vorab bemerkt: Betrachtung und Betroffenheit von Trends sind immer auch vom eigenen Status quo beeinflusst. Wer noch immer munter mit Faxgeräten arbeitet, Excel-Listen händisch „pflegt“, Vorausschau auf Basis veralteter Daten betreibt und Risikomanagement-Software für „unnötige Geldverschwendung“ hält (ja, das gibt es alles sehr wohl noch, vor allem im kleineren Mittelstand ...), der dürfte sich mit vollmundigen Versprechen in Sachen digitaler Zukunft allenfalls zögerlich beschäftigen (wollen). This Trend? Is not our friend.
Stattdessen: Prokrastinieren, Aussitzen. Mit einer „Vogel-Strauß-Strategie“ wird indes ein Trend selbst befeuert: nämlich der zum eigenen Abgesang.
Das (Über-)Leben im globalen Business-Kontext verlangt eine tiefgreifende Vernetzung mit internen Stakeholdern und externen Partnern entlang so manch verdammt langer Lieferkette. Und diese durchdringen auch Fortgeschrittene längst noch nicht bis zum Tier x in weit entlegenen Regionen der verschachtelten Lieferantenpyramide – auch wenn man es in den einschlägigen Fachkonferenzen gerne via bunter Präsis propagiert. Ich rate dazu, über Knackpunkte und sehr oft quälend langwierige (Transformations-)Prozesse ehrlich öffentlich zu sprechen. Der zuhörende Mensch lernt ohnehin mehr aus Fehlern. Vor nicht allzu langer Zeit wurde Fehlermanagement in Unternehmen zum „Trend“ ausgerufen. Sie erinnern sich? Davon nehme ich nichts mehr wahr. Schade eigentlich. Ein Beispiel dafür, dass auch Trends ein Verfallsdatum haben, obgleich sich an der Dringlichkeit des „Contents“ nichts geändert hat ...
Nicht falsch verstehen: Ich will keine Schelte betreiben. Trends gibt es viele. Manche sind branchenfokussiert. Manche umreißen komplexe, scheinbar allumfassende und vor allem experten-gesteuerte KI-Konstrukte. Vieles beschert selbst halbwegs Interessierten im Hier und Jetzt einen dicken Kloß im Hals. Man „versteht“ den Trend, sieht aber nicht, wie die Prozesse im eigenen Unternehmen in vernünftigem Zeitraum auf die Straße zu bringen wären ... Im Folgenden stelle ich darum meine persönliche Auswahl „erfolgskritischer Aufgabengebiete“ vor – als Anregung zu verstehen, ohne Handlungsanleitung und ohne erhobenen Zeigefinger.
Nachhaltigkeit
Längst nicht ausgelutscht, sondern ein pflichtenbehaftetes Dauerthema, bei dem sich zwar immer mal wieder etwas ändert (siehe CSRD-Berichtspflichten für viele KMU), das aber nicht verschwinden wird. Wer hierbei (weiterhin) kurzsichtig nur auf die Kosten schaut, verschließt die Augen vor den Chancen. Und ja, diese beileibe nicht triviale Thematik „kostet“ auch viel Zeit – für Planung, Einhaltung von Compliance und Regulatorik, Umsetzung auf der Straße, Monitoring, Imagepflege etc. Aber wer diese Phasen sinnvoll einzukalkulieren vermag bzw. konsequent zu nutzen versteht, der dürfte vielen seiner Wettbewerber mittelfristig voraus sein. Wer früher Fehler macht, kann eher lernen, früher reagieren und rascher auch profitieren.
Mehr zum Thema finden Sie zum Beispiel hier: Jaro-Institut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung (Berlin) Home - Jaro Institut e.V.
Lieferantenmanagement
Achtung: großer Digitalisierungsbedarf! Nicht nur für den Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (Eschborn) sind KI-basierte Analysen der Schlüssel, um Risiken in der Lieferkette frühzeitig zu erkennen, Beschaffungsprozesse zu automatisieren, Compliance-Vorgaben in Echtzeit umzusetzen und fundierte Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.
Noch Fragen?
Mehr zum Thema finden Sie zum Beispiel hier: BME, www.bme.de und Best Practice Institute, www.best-practice-institute.com
Logistik / Transport
Achtung, drohende Kreditausfälle! Die Marktbereinigung wird europaweit auch im kommenden Jahr anhalten. Weniger Dienstleister, weniger Personal und sinkende Transportkapazitäten sorgen für steigende Frachtraten. Richten Sie sich auf weitere Engpässe ein. Es gilt Supply-Chain-Risiken besser abzuschätzen. Das sind potenzielle Schäden, die mit seiner individuellen Wahrscheinlichkeit des Eintritts bewertet werden und Auswirkungen auf viele einzelne Unternehmen einer Lieferkette haben. Schwer abschätzbar: mangelnde Transparenz entlang der teilweise stark verästelten Wertschöpfungskette sowie die Abhängigkeit, in der sich die einzelnen Partner untereinander befinden. Mein Rat: Minimieren Sie die Risiken nach Möglichkeit durch die Nutzung von etablierten, unabhängigen Plattformen.
Mehr zum Thema finden Sie zum Beispiel hier: Logistiknetzwerk und Frachtenbörse Timocom (Erkrath), www.timocom.de
Trainings
Liegen mir besonders am Herzen – und das seit vielen Jahren. Was nützen die besten Tools, versiertes (technisches) Know-how und die besten (?) Absichten, wenn Mitarbeitende nicht können, wollen oder desillusioniert bereits geistig gekündigt haben? Wenn Führungskräfte meinen, selbst keine „Auffrischungen“ (mehr) zu brauchen? Wenn Empathie fehlt und stattdessen das eigene Ego im Vordergrund steht? Wenn Arbeit im Team Einzelne nervt? Und vor allem: Wenn weder die GL noch HR verstehen, wer wann wo und wie sinnhaft geschult werden sollte? Dann läuft vieles falsch. Ressourcen werden nicht erkannt – sie verpuffen. Obendrein rauscht so (un-)bemerkt richtig viel Geld den Bach hinunter.
Wenn man bedenkt, dass Einkäufer Weiterbildungsmaßnahmen für andere Fachabteilungen beschaffen, zuweilen aber selbst vergleichsweise wenig von Qualifizierung profitieren dürfen ... auch dann läuft alles falsch. Wer verstanden hat (und sich gar damit rühmt), dass sein Einkauf als Moderator an den internen und vielen externen Schnittstellen agiert, der muss auch dafür sorgen, dass diese im Hintergrund emsig wirkende erfolgskritische Position laufend bestmöglich weitergebildet bzw. qualifiziert wird. Bereiche gibt es viele ...
Denken Sie zum Beispiel an spannende Themenfelder wie Verhandlungstraining mit Monopolisten, an einen „Schwarzen Gürtel in Fragetechnik“, an Gesichter lesen in Verhandlungen, an Storytelling in Verhandlungen und im Business-Kontext, an Stakeholder Analyse, an Compliance-Themen, an Claim Management, an Backdoor Selling etc. Einkäufer sollten sich immer wieder vor Augen halten, dass die andere Seiten viel wissbegieriger ist, mit welchen Methoden man zum Abschluss kommen könnte ...
Also: Ohne Training ist alles nichts. Insofern erkläre ich hiermit den übergeordneten „Aufgabenbereich Trainings“ zu meinem Haupttrend für 2026 ... Für alle, die sich schon immer gefragt haben, wer eigentlich Trends setzt – das ist nämlich die Person, die sie zu pushen versteht ... 😉.
Sabine Ursel, 16. Dezember 2025, www.sabine-ursel.de



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